Publikationen am Institut

Klaus Michael Grüber - Homo Viator (2021)

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 Klaus Dermutz und Friedemann Kreuder (Hg.)

Der Theater- und Opernregisseur Klaus Michael Grüber (1941–2008) war zeitlebens von Flucht und Migration nicht existenziell betroffen. Dennoch fühlte er sich – wohl wissend nie jemals für sie zeugen zu können – den in seinen Inszenierungen immer wieder auftauchenden Immigranten, Flüchtlingen, Heimatlosen »an der großen Straße«, »dunklen Gestalten des Volkes«, nicht sesshaften Clochards offenbar nahe. Weit davon entfernt, die Wanderschaft solcher Verlorenen in seiner Kunst, wie auch seinem Leben für die Ideologie einer Christus-Nachfolge in Dienst zu nehmen, transponierte und transformierte er vielmehr deren Lebensprinzip in dasjenige eines homo viator unter den Vorzeichen des kommenden Gottes Hölderlins und Heideggers: das Durchschreiten des in die Gegenwart hineinragenden, seienden traumatisierten Raumes wird so zu einem Wiedereintreten in gegebene neue Seins-Zusammenhänge gewandelt. Der Band versammelt Unterlagen aus dem Privatarchiv von Martin Grüber und dem Klaus Michael Grüber-Archiv der Berliner Akademie der Künste im Sinne neuer Grundlagenforschung in Gestalt unterschiedlichster Lebenszeugnisse sowie Text- und Bilddokumente, bereichert durch Beiträge von künstlerischen wie privaten Weggefährten.

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Neue Methoden der Theaterwissenschaft (2020)

Neue Methoden der Theaterwissenschaft

Benjamin Wihstutz und Benjamin Hoesch (Hg.)

Die Theaterwissenschaft ist im Umbruch: Neue Forschungsgebiete, interdisziplinäre Verbundprojekte sowie aktuelle Entwicklungen in den performativen Künsten erfordern ein Überdenken methodischer Ansätze, zentraler Begriffe und Herangehensweisen des Faches. Die Beiträge liefern interdisziplinäre Positionen zu methodischen Fragen und Verfahren aktueller theaterwissenschaftlicher Forschung. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Erweiterungen der Aufführungsanalyse, neuen Theaterhistoriografien sowie der Institutionenforschung. Aber auch die Theaterwissenschaft selbst wird in ihrer Ausrichtung in Anlehnung und Abgrenzung zu anderen Disziplinen sowie dem im Fach immer wieder neu zu bestimmenden Verhältnis von Theorie, Empirie und Geschichtsschreibung umfassend rekapituliert.

Mit Beiträgen von Susanne Foellmer, Eva Holling, Stefanie Husel, Doris Kolesch/Theresa Schütz, Ulf Otto, Nora Probst/ Vito Pinto, Kati Röttger, Matthias Warstat, Andreas Wolfstei-    ner, Benjamin Hoesch und Benjamin Wihstutz. 

Geschmack und Öffentlichkeit (2019)

Matthias Grotkopp (Hg.), Hermann Kappelhoff (Hg.), ...: Geschmack und ÖffentlichkeitMatthias Grotkopp, Hermann Kappelhoff und Benjamin Wihstutz (Hg.)

Seit Beginn dessen, was sich im 18. Jahrhundert als ästhetisches Regime der Kunst formiert, bezeichnet der Begriff des Geschmacks die Subjektivität und die Freiheit des ästhetischen Urteils, unabhängig von Konventionen und Interessen zu urteilen. Zugleich aber appelliert jedes ästhetische Urteil an andere Subjekte und setzt damit eine Allgemeinheit voraus. Und genau deshalb erscheint der Geschmack als Movens in Dynamiken von Gemeinschafts-bildungen im Spannungsfeld von Individuum und Öffentlichkeit.
Öffentlichkeit und Politik sind in dieser Lesart an die Pluralität konkurrierender Geschmacksgemeinschaften, an einen Streit um das Ästhetische gebunden. Die Beiträge in diesem Band wollen diesen Zusammenhang durch historische und zeitgenössische Fallstudien zum Wechselverhältnis von Philosophie, Kritik, Kunst und Populärkultur beleuchten.

Mit Beiträgen von Sarah-Mai Dang, Kai van Eikels, Matthias Grotkopp, Barbara Hahn, Hermann Kappelhoff, Jan Lazardzig, Birgit Peter, Jörn Schafaff, Ludger Schwarte, Martin Vöhler, Meike Wagner und Benjamin Wihstutz.

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Praktiken in/der Versammlung (2019)

Illustration

 Jochen Lamb und Julia Stenzel (Hg.)

Wie zusammenkommen: Strategien und Techniken, Räume und Zeiten

Körper konstituieren eine Versammlung, indem sie ein Stück Zeit und ein Stück Raum für sich beanspruchen, um zu tun, wozu auch immer sie sich zusammengefunden haben. Spätestens unter dem Eindruck von physical distancing und weitreichenden Kontaktbeschränkungen in Zeiten der COVID-19-Pandemie wird offensichtlich, dass ein solches Verständnis von Versammlung, das sich auf Momente physischer Kopräsenz stützt, schnell ins Leere läuft: Versammlungen haben eben auch als räumlich distribuierte statt, ihr Raum und ihre Zeit können in unterschiedlichen Graden virtualisiert sein.

Die Möglichkeiten und Wirkungen des Versammelns sind nicht so konsistent und selbstverständlich, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen; und gerade wenn Versammlung über komplexe Verschaltungen von An- und Abwesenheiten verstanden wird, stellt sich die Frage nach deren Medialitäten und nach Momenten des Für- und Anstatt­Sprechens, die der Titel des Bandes mit ‚Zeugenschaft‘ aufruft.

Die gegenwärtigen Strukturen öffentlicher Sichtbarkeiten, körperlichen Erscheinens, medialer Aushandlungsprozesse und technisch-sozialer Vernetzungen generieren unterschiedlichste Versammlungsformen und -begriffe. Entsprechend stellt der Band ein komplexes Bild der Dynamiken, Problematiken und Potenziale unterschiedlichster Versammlungsphänomene und Versuche zu ihrer begrifflichen Fassung zur Diskussion. Er versammelt Beiträge zu Praktiken des politischen Aktivismus wie auch zur Medialität filmischer und theatraler Verhandlungen, zu Ereignisräumen von Kunst sowie zu künstlerischen Produktionen sozialer Topologie; Debatten zum Verhältnis von Kollektivität und Individualität kommen ebenso zur Sprache wie Dokumente zu deren künstlerischer Exploration.

Einbezogen werden Perspektiven und Expertisen aus Theater- und Filmwissenschaft, Soziologie, Philosophie sowie aus der künstlerischen Praxis, um Praktiken der Versammlung und Konzepte des Versammelns interdisziplinär in den Blick zu nehmen.

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Inszenierung von Recht (2019)

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Laura Münkler und Julia Stenzel (Hg.)

Die Inszenierung von Recht steht aktuell im Fokus verschiedener Disziplinen: Einerseits werden kulturelle Inszenierungsmodi und spezifische Formen von Ritualität auf ihre Prägekraft für das Recht hin untersucht. Andererseits werden institutionalisierte Praxen der Rechtsfindung vermehrt daraufhin befragt, wie sie in anderen kulturellen Feldern Modellcharakter gewinnen. Dabei steht indes nicht so sehr die Frage im Zentrum, ob Recht einen Inszenierungsaspekt beinhaltet, sondern vielmehr, wie dieser sich auf die Wahrnehmung, die Anwendung und die Wirksamkeit abstrakter Rechtsnormen auswirkt. In der Rechtswissenschaft wird die Inszenierung von Recht demgegenüber vergleichsweise selten thematisiert und wenn doch, dann häufig bestritten. Grund hierfür ist die Befürchtung, dass die Annahme inszenatorischer Anteile des Rechts dieses zu unterminieren drohe. Das Verhältnis von Recht und Inszenierung erweist sich insofern als spannungsreich.
Ausgehend von diesem Befund wird im interdisziplinären Dialog von Rechtswissenschaft, Theaterwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte den verschiedenen Funktionen und Modi der Inszenierung von Recht sowie den bestehenden Interaktionen zwischen Recht und anderen kulturellen Feldern nachgegangen. Hierdurch gelangen die Herstellung und Wirkung von Recht, verschiedene Formen seiner Inszenierung sowie sein medialer Auftritt in den Blick. So zeigt sich, dass Recht und Inszenierung nicht unabhängig voneinander zu denken sind. Die Aufarbeitung dieses Spannungsfeldes vermag sowohl das Rechtsverständnis und den Blick auf die Inszenierung von Recht insgesamt als auch die Attraktivität des Modells ›Recht‹ für Theater, Literatur und bildende Kunst zu erhellen.

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Spiele spielen. Praktiken, Metaphern, Modelle (2018)

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Friedemann Kreuder und Stefanie Husel (Hg.)

Spiele werden als kulturelle Formate neben Filmen, Texten u.ä. immer präsenter. Darum wird es höchste Zeit, ludologische Fragen zu stellen, die sich mit der spezifischen Ästhetik des Spiels befassen. Hierzu möchte der Band einen kultur- und sozialwissenschaftlichen Beitrag leisten.
Was zeichnet Spielpraktiken aus? Werden Spiele gespielt, oder spielen sie sich ab? Worin besteht der Zusammenhang zwischen einem Spiel (game) und dem Spielen (play) –
wie also sind soziokultureller Kontext und Situativität jeweils aufeinander bezogen? Können Spiele als Modell der Gemeinschaftsbildung dienen?
Seit Johan Huizingas Homo ludens werden Spiele als eigenständige kulturelle Form erforscht, wenn auch mit geringer Breitenwirkung; doch spätestens mit dem Siegeszug der digitalen Medien und der in ihnen ermöglichten Multiplikation von Spielformaten erweist sich die Erforschung nicht nur von Spiel und Spielen, sondern auch von Spielbegriffen und ihrer Nutzung als dringendes kultur- wie sozialwissenschaftliches Forschungsdesiderat, das sich auch und gerade jenseits der spezifisch auf Computerspiele fokussierenden Game Studies stellt. Mit Beiträgen u.a. von Hans-Ulrich Gumbrecht und Martin Zenck.

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Die andere Antike. Altertumsfigurationen auf der Bühne des 19. Jahrhunderts (2018)

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Frederike Krippner, Andrea Polaschegg und Julia Stenzel (Hg.)

Anders als Renaissance und Klassizismus gilt das 19. Jahrhundert bisher nicht als Epoche der Wiederkehr der Antike. Dabei hat gerade der Historismus die Imaginationsräume des Altertums engagiert bespielt und sie im Medium der Bühne grundlegend neu entworfen.

In exemplarischen Studien macht der interdisziplinäre Band die vielfach vergessenen Altertumsdiskurse des 19. Jahrhunderts in ihren spezifisch dramatischen Formen und theatralen Medien sichtbar. Umgekehrt weist er die Bühne als zentrales Kommunikations- und Reflexionsmedium der Antike aus. Dabei wird das besondere Spannungsverhältnis zwischen Historisierung und normativem Geltungsanspruch, Pluralisierung und Synthesebildung, Verwissenschaftlichung, Ästhetisierung und Politisierung des Altertums vermessen, das diese Epoche kennzeichnet und in der dominanten Figur der »anderen Antike« kulminiert.

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Transformative Aesthetics (2018)

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Erika Fischer-Lichte und Benjamin Wihstutz (Hg.)

From artists to spectators, readers, listeners, or audiences, the idea of transformation is one familiar to cultures across the globe. Transformation of the individual is only one part of this aesthetic phenomenon, as contemporary artists are increasingly called upon to have a transformative, sustainable impact on society at large. To this end, Erika Fischer Lichte and Benjamin Wihstutz present a series of fresh perspectives on the discussion of aesthetics, uniting Western theory with that of India, China, Australia, and beyond.

Each chapter of Transformative Aesthetics focuses on a different approach to transformation, from the foundations of aesthetics to contemporary theories, breaking new ground to establish a network of thought that spans theatre, performance, art history, cultural studies, and philosophy.
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Reset Postmodernity?: Das (not) doing opinion im Angesicht einer ent-sinnten Gegenwart. (2017)

Yana Prinsloo

Unter dem Titel Reset Postmodernity? widmet sich Yana Kay Prinsloo dem aktuellen Zustand des Postfaktischen und attestiert selbigem eine wichtige Begleiterscheinung: die individualisierte, emotionale (Schein-)Teilhabe der Bevölkerungen der westlichen Industrieländer am gesellschaftlichen und politischen Leben. Gegenstand des Forschungsinteresses ist der politische Moment, der in der körperlichen Präsenz des Subjekts – als Teil der (Protest-) Gemeinschaft – liegt: Sie konstituiert Bedeutung; der Körper wird zur performativen Oberfläche einer politischen Orientierung; der Körper materialisiert die politische Orientierung des Subjekts. Das Politische in der Gesellschaft ist damit nicht nur Ergebnis der Kommunikation durch Sprache, sondern bereits das Ergebnis körperlicher Anwesenheit. Am Beispiel von Inszenierungen des deutschen Gegenwartstheaters und aktuellen politischen Entwicklungen setzt sich die Autorin mit Formen der gegenwärtigen Meinungsbildung auseinander. Ziel der Arbeit ist die Definition eines umfassenden Meinungsdispositivs, welches durch künstlerische/gegenhegemoniale Strategien dechiffriert werden kann.

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Re/produktionsmaschine Kunst.Kategorisierungen des Körpers in den Darstellenden Künsten (2017)

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Friedemann Kreuder, Ellen Koban, Hanna Voss (Hg.)

Geschlecht, Ethnizität, Behinderung – tradierte Kategorisierungen wie diese werden nicht nur gesellschaftlich intensiv diskutiert. Auch in Theorie und Praxis der Darstellenden Künste sind sie ein aktuelles Thema. Der breit angelegte Band geht dem Verhältnis von sozialer Differenzierung und ästhetischer Praxis vor dem Hintergrund der jeweiligen Produktions- und Rezeptionsbedingungen nach. So eröffnen sich vergleichende Perspektiven auf gegenwärtige und historische Phänomene des institutionellen Theaters, der freien Szene und der Performance-Kunst. Zugleich geben die Beiträge einen Überblick über aktuelle Forschungstendenzen an der Schnittstelle zwischen Differenz-, Kultur- und Theaterwissenschaft. Buch hier bestellen.

 

Ich sehe was, was du nicht hörst. Zur Produktivität des Abwesenden im (Theater)Raum (2015)

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Nikola Schellmann M.A.

Ausgehend von der Annahme, dass Theater notwendigerweise als Seh-Ereignis definiert wird, stellt Nikola Schellmann die Frage, was passiert, wenn genau damit gespielt wird: dass die Zuschauenden eben nicht alles sehen – und auch nicht sehen sollen? Oder wenn es nichts zu hören gibt? Wenn die Möglichkeit entzogen wird, die ganze Bühne einzusehen oder keine Akteur*innen die Bühne betreten? Anhand von Inszenierungen von Andreas Kriegenburg, Katie Mitchell, Karin Beier und Heiner Goebbels wird gezeigt, wie sich unterschiedliche Formen des Abwesenden als produktiv sowohl für die Raumwahrnehmung, die Inszenierung als solche, den Aufführungsbegriff sowie für das Wahrnehmungserlebnis der Zuschauenden erweisen. Die Arbeit nimmt somit einen Weg vom Phänomen der Abwesenheit, das sich in Form von Sehen bzw. Nicht-Sehen – und notwendigerweise auch Hören und Nicht-Hören – äußert, über Sehen, Sichtbarkeit, Bild und Bildtheorie, Visual bzw. Pictorial Turn über Akustik, Stimme, Schweigen zur Analyse von Abwesenheit im Theater und verdeutlicht via Reformulierung des theatralen Raumverständnisses, inwiefern An- und Abwesenheiten zusammenhängen und die Wahrnehmung des Zuschauers sowohl hiervon abhängig als auch dafür konstitutiv ist.

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Passagenräume. Grenzverläufe alltäglicher und performativer Praxis im Theater der Gegenwart (2015)

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Dr. Annika Wehrle

Passagenräume des Alltags wie Bahnhöfe, Shopping Malls und Verkehrsmittel sind urbane Knotenpunkte des frühen 21. Jahrhunderts. In ihnen verdichten sich temporäre, kulturelle und gesellschaftliche Prozesse.
Doch von welchen Spielregeln sind unsere täglichen Wege bestimmt? Und welche Spuren hinterlässt Theater in diesen flüchtigen Räumen des Durchgangs?
Annika Wehrle öffnet den Blick für zeitgenössische Übergänge und vollzieht einen Grenzgang ästhetischer und sozio-kultureller Perspektiven. Durch das Brennglas performativer Formen werden funktionale Durchgänge zu Spiel- und Aushandlungsräumen für Fragen der Globalisierung, Medialisierung, Mobilität und Öffentlichkeit.

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Reflexion von ethnischer Identität(szuweisung) im deutschen Gegenwartstheater (2014)

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Hanna Voss M.A.

In unserer Alltagswelt sind ethnische Stereotype allgegenwärtig. Dennoch – oder gerade deswegen – werden sie oft nicht als solche wahrgenommen und hinterfragt. Schenkt man der seit 2012 geführten „Blackfacing-Debatte“ Glauben, finden sich solche ethnischen Zuschreibungsmuster auch in deutschen Theaterproduktionen wieder. Ist das Theater also auf Grund seiner Besetzungs- und Darstellungskonventionen ethnisch-diskriminierend? Oder greift es gängige ethnische Zuschreibungsmuster auf, um diese auf der Bühne zur Verhandlung zu stellen?

Am Beispiel von Inszenierungen des deutschen Gegenwartstheaters setzt Hanna Voss sich insbesondere mit letzterer Frage ausführlich auseinander – der Frage nach den Möglichkeiten des Theaters zur Reflexion von ethnischer Identität(szuweisung).

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Die Orte des Festival d'Avignon. Die "theatrale Eroberung" einer Stadt (2011)

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Annika Wehrle M.A.

Das in der Nachkriegszeit von Jean Vilar gegründete Festival d’Avignon hat sich bis heute zu einem der bedeutendsten Theaterfestivals Europas entwickelt. Bereits Vilar strebte eine enge Verknüpfung von Stadt und Theaterereignis an. Die heutige Verzahntheit des sommerlichen Avignons mit dem jährlich stattfindenden Festival übersteigt jedoch die Visionen der frühen Konzeptionen. Neben der Theatralisierung historischer Räume wurden seit der Gründung des Festival OFF in den späten 60er Jahren auch die öffentlichen Plätze und Straßen Avignons sowie private Räume als Spielstätten erschlossen. Ähnlich einer theatralen Eroberung macht sich das Festival auf diesem Wege nach und nach die gesamte Stadt zu Eigen.
Annika Wehrle untersucht anhand ausgewählter Inszenierungsbeispiele die verschiedenen Stadteroberungsstrategien des Festival d’Avignon. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Praktiken räumlicher Bedeutungszuschreibung sowie den Auswirkungen auf die Stadtstruktur Avignons und deren Bewohner und Besucher.

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