Lehrveranstaltungen

HS. Theatralität und Medialität: Leidenschaften! Talente! Genies! Zur Arbeit vor, auf und hinter der Theater-Bühne

Yana Prinsloo M.A.

Kurzname: HS Theatralität
Kursnummer: 05.155.16_1020

Empfohlene Literatur

Boltanski, Luc & Chiapello, Ève (2003): Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz : UVK Verl.-Ges.
Bröckling, Ulrich (2007): Das unternehmerische Selbst. Frankfurt, M. : Suhrkamp.
Franck, Georg (1998): Ökonomie der Aufmerksamkeit. München u.a. : Hanser.
Matzke, Annemarie (2012): Arbeit am Theater. Bielefeld: Transcript.
Reckwitz, Andreas (2018): Die Gesellschaft der Singularitäten. Berlin : Suhrkamp.
Reckwitz, Andreas (2006): Das hybride Subjekt. Weilerswist : Velbrück.
Weinhold, Kathrein (2005): Selbstmanagement im Kunstbetrieb. Bielefeld: Transcript.
 

Inhalt

In gegenwärtigen Befassungen mit zeitgenössischen Arbeitsformen ist die Parallele zu künstlerischen Idealen offenkundig: Manager*innen sollen Talente fördern; Arbeit soll eine kreative Herausforderung sein; das schöpferische Individuum soll die Möglichkeit zur Selbstentfaltung erhalten (Reckwitz, Boltanski, Chiapello).
Dabei erscheinen diese Aneignungen als Doublette: einerseits erhält das arbeitende Subjekt angeblich neue Freiheiten zwecks kreativer Selbstgestaltung, anderseits unterliegt es der permanenten Anforderung, Neues produzieren zu müssen.
Das arbeitende Subjekt wird als schöpfendes Individuum reflektiert, während Künstler*innen angehalten sind, als „unternehmerisches Selbst“ (Bröckling) den eigenen Marktwert zu valorisieren und die eigene Zuschauerschaft zu rekrutieren. Eine Entwicklung, die sich in Ratgebern wie „Selbstmanagement im Kunstbetrieb“ zeigt (Weinhold).
Bei näherer Betrachtung dieser Schnittstelle zwischen Arbeitskraft und künstlerischen Strategien zeigt sich, dass der Begriff der Performanz von Arbeit/ Kunst/ Theater/ Subjekt als übergeordneter und wiederkehrender Begriff Verwendung findet (McKenzie).
Berührungspunkte und Grenzlinien zwischen diesen beiden Sphären zu untersuchen, bildet den Schwerpunkt des Seminars. Zunächst wird es um eine philosophische und kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Begriffen wie „schöpfendes Individuum“ und „Performance/ Performanz“ gehen. Was haben aus diesem Blickwinkel ein Elon Musk und ein Jonathan Meese gemeinsam?
In einem zweiten Teil kommen dann die historisch gewachsenen Arbeitsweisen – zwischen Künstlergenie und Kollektiv – im Theater zur Sprache. In dem Aufsatz „Zeitgenössische darstellende Kunst als Institutionskritik“ schreibt Regisseur und Komponist Heiner Goebbels: „Auch die Techniken, mit denen auf den Bühnen gesprochen und gesungen und getanzt wird, wie sie in Schauspielschulen und Tanz- und Opernklassen gelehrt werden, entspringen – wie alles in diesen Genres – einer spezifischen Tradition und sind letzten Endes ideologisch: Eine unhinterfragbare Voraussetzung künstlerischer Arbeit an den Institutionen, die aber den Anschein des Natürlichen vorspiegelt. Natürlich, auf jeden Fall ‚macht man das halt so‘.“
Das Arbeiten am Theater wird daher aus zwei Perspektiven reflektiert und diskutiert werden: Wie wird am Theater gearbeitet und wie lassen sich problematische Mystifizierungen in Zusammenhang mit Begriffen wie Schöpfungsprozess oder Genie von Theatermacher*innen fruchtbar problematisieren? Auch die aktuellen Entwicklungen aufgrund der Corona-Pandemie können und müssen in diese Überlegungen Einzug halten.

Termine:

Datum (Wochentag)UhrzeitOrt

Semester: WiSe 2020/21