Lehrveranstaltungen

S. Theorie und Ästhetik: „Angst + Heiterkeit + Lärm“ - Theatermanifeste in Geschichte und Gegenwart

Verena Caspers M.A.

Kurzname: S Theorie & Ästhetik
Kursnummer: 05.155.16_530

Inhalt

Die Theatergeschichte ist spätestens seit der Wende zum 20. Jahrhundert voll von programmatischen Schriften, die entweder von ihren Autor*innen selbst oder rezeptionsseitig und im Nachhinein als Manifeste bezeichnet werden.

Dieses Seminar widmet sich mit den Manifesten der historischen Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts (z. B. Futurismus, Dadaismus und Antonin Artauds „Theater der Grausamkeit“), den Programmen der Performance Art und des Theaters seit den 1960er Jahren (z. B. Wiener Aktionisten, Fluxus und Peter Brooks „Der leere Raum“) und Dokumenten der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart (z. B. Pro Quote Bühne oder die Erklärung der Vielen) einer Auswahl dieser heterogenen Textgattung.

Wenngleich die Beispiele sicherlich kein vollständiges oder repräsentatives Bild der jeweiligen theatralen Positionen, geschweige denn der Theaterlandschaft einer Zeit liefern, bieten sie uns die Möglichkeit, uns unterschiedlichen Strömungen und Formen des Theaters hinsichtlich eines gemeinsamen Kriteriums zu nähern und über diesen Zugriff zumindest schlaglichtartig auch bestimmte signifikante historische Entwicklungslinien von Theater und Theatertheorie zu beleuchten.

Die Heterogenität der Texte und eine oft nicht sehr evidente Zuschreibungspraxis, was „Manifest“ genannt und was mit anderen (verwandten) Bezeichnungen belegt wird, rücken auch Fragen nach der Gattung und ihrer Abgrenzung ins Interesse des Seminars. Im Vordergrund steht aber vor allem die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen theatralen Gefüge, in dem sie stehen. Mit welchen künstlerischen und politischen Intentionen wurden diese Texte verfasst? Welcher – tatsächlicher oder vermeintlicher – Status quo wird kritisiert, welche Utopien werden formuliert? An welche Adressat*innen richten sie sich? In welchem Verhältnis stehen sie zu einer „zugehörigen“ Aufführungspraxis? Und nicht zuletzt: Welche Formen von Theatralität und Inszenierungsstrategien kommt in den Manifesten selbst zum Ausdruck?



 

Termine:

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Semester: WiSe 2020/21